Gewerbeversicherung Baugewerbe: So schützt du deinen Baubetrieb richtig
Baustellen sind einer der risikoreichsten Arbeitsorte in Deutschland. Herabfallende Teile, Maschinenschäden, Personenunfälle und Baumängel können schnell sechsstellige Forderungen auslösen. Die richtige Gewerbeversicherung schützt deinen Baubetrieb vor finanziellen Folgen.
- Betriebshaftpflicht mit Deckungssummen ab 5 Mio. Euro
- Maschinenversicherung für Bagger, Krane und Baugeräte
- Tarife von namhaften Versicherern vergleichen
Inhaltsverzeichnis
- Warum Baubetriebe besondere Versicherungen brauchen
- Betriebshaftpflicht im Baugewerbe
- Bauherrenhaftpflicht vs. Betriebshaftpflicht
- Inhaltsversicherung für Baubetriebe
- Maschinenversicherung für Baumaschinen
- Betriebsunterbrechungsversicherung bei Baustillstand
- Kosten einer Gewerbeversicherung im Baugewerbe
- Checkliste: Die richtige Versicherung für deinen Baubetrieb
- Häufig gestellte Fragen
Warum Baubetriebe besondere Versicherungen brauchen
Das Baugewerbe gehört zu den Branchen mit dem höchsten Schadenpotenzial in Deutschland. Kein anderer Wirtschaftszweig kombiniert so viele Risikofaktoren: schwere Maschinen, große Höhen, wechselnde Einsatzorte, Witterungseinflüsse und zahlreiche beteiligte Gewerke auf einer einzigen Baustelle.
Ein einziger Schadensfall kann deinen Baubetrieb in die Insolvenz treiben. Wenn ein Bagger eine Gasleitung beschädigt, ein Gerüst einstürzt oder ein fertiggestellter Rohbau Risse bekommt, reden wir nicht über ein paar hundert Euro. Wir reden über Beträge, die schnell in den sechsstelligen Bereich gehen.
Anders als im klassischen Handwerk, wo du überwiegend an einzelnen Objekten arbeitest, hängen im Baugewerbe oft mehrere Gewerke zusammen. Ein Fehler im Rohbau betrifft alle nachfolgenden Arbeiten. Diese Kettenreaktionen machen das Baugewerbe versicherungstechnisch besonders anspruchsvoll.
Baugewerbe in Zahlen: Warum Versicherungsschutz unverzichtbar ist
- Durchschnittlicher Haftpflichtschaden auf Baustellen: ca. 25.000 bis 80.000 Euro
- Häufigste Schadenursache: Beschädigung unterirdischer Leitungen (Gas, Wasser, Strom)
- Meldepflichtige Arbeitsunfälle im Baugewerbe: über 100.000 pro Jahr in Deutschland
- Durchschnittliche Kosten eines Baustillstands: 2.000 bis 10.000 Euro pro Tag
- Maschinendiebstahl auf Baustellen: geschätzte 15.000 Fälle pro Jahr
Die größten Risiken auf Baustellen
Baustellen sind dynamische Arbeitsorte. Die Gefahren verändern sich mit jeder Bauphase. Hier sind die wichtigsten Risiken, die du als Bauunternehmer kennen musst:
Personenschäden durch herabfallende Gegenstände: Werkzeuge, Baumaterial oder Gerüstteile können aus großer Höhe fallen und Arbeiter oder Passanten verletzen. Die Schadensummen bei dauerhaften Körperschäden liegen regelmäßig im sechsstelligen Bereich.
Beschädigung unterirdischer Leitungen: Beim Ausheben von Baugruben oder bei Erdarbeiten werden häufig Gas-, Wasser- oder Stromleitungen beschädigt. Ein Gasrohrbruch kann eine komplette Straße stilllegen. Die Reparaturkosten plus Folgeschäden erreichen schnell 50.000 bis 150.000 Euro.
Statische Mängel und Baupfusch: Fehlerhafte Fundamentarbeiten, falsch berechnete Tragkonstruktionen oder minderwertiges Material können zum Einsturz ganzer Gebäudeteile führen. Die Haftung trifft den ausführenden Betrieb und kann Millionenbeträge erreichen.
Maschinenausfall und Diebstahl: Baumaschinen wie Bagger, Radlader oder Krane sind teuer und stehen oft ungesichert auf Baustellen. Ein gestohlener Minibagger kostet 30.000 bis 80.000 Euro, ein Radlader 80.000 bis 200.000 Euro.
Witterungsschäden am Bauvorhaben: Starkregen, Sturm oder Frost können unfertige Bauwerke beschädigen. Wenn ein Rohbau ohne Dach steht und ein Unwetter kommt, sind die Folgekosten enorm.
Betriebshaftpflicht im Baugewerbe
Die Betriebshaftpflichtversicherung ist die wichtigste Versicherung für jeden Baubetrieb. Sie schützt dich vor Schadensersatzansprüchen Dritter, wenn du oder deine Mitarbeiter bei der Arbeit Personen-, Sach- oder Vermögensschäden verursachen.
Im Baugewerbe sind die Deckungssummen deutlich höher als in anderen Branchen. Der Grund: Die potenziellen Schäden auf Baustellen übersteigen die in anderen Gewerken um ein Vielfaches. Während ein Maler mit 3 Millionen Euro Deckungssumme gut bedient ist, braucht ein Bauunternehmer mindestens 5 Millionen Euro für Personenschäden.
Was die Betriebshaftpflicht im Bau abdeckt
- Personenschäden: Ein Passant wird von einem herabfallenden Ziegelstein getroffen. Die Versicherung übernimmt Behandlungskosten, Verdienstausfall und Schmerzensgeld.
- Sachschäden: Dein Bagger beschädigt eine unterirdische Gasleitung. Die Versicherung zahlt Reparatur und Folgekosten.
- Tätigkeitsschäden: Beim Abbruch einer Wand wird das angrenzende Gebäude beschädigt. Dieser Schaden am Objekt, an dem du arbeitest, ist als Tätigkeitsschaden mitversichert.
- Allmählichkeitsschäden: Durch fehlerhafte Abdichtungsarbeiten dringt über Monate Feuchtigkeit in ein Gebäude ein.
- Umweltschäden: Auf der Baustelle läuft Diesel aus einem Bagger und versickert im Erdreich. Die Sanierungskosten können erheblich sein.
Empfohlene Deckungssummen für Baubetriebe
Die richtige Deckungssumme hängt von der Art und Größe deiner Bauprojekte ab. Hier eine Orientierung:
Kleiner Baubetrieb
1 bis 5 Mitarbeiter, Eigenheimbau und Sanierungen
Personenschäden: 5 Mio. Euro
Sachschäden: 3 Mio. Euro
Ab ca. 40 Euro/Monat
Mittlerer Baubetrieb
5 bis 20 Mitarbeiter, Mehrfamilienhäuser und Gewerbebauten
Personenschäden: 10 Mio. Euro
Sachschäden: 5 Mio. Euro
Ab ca. 120 Euro/Monat
Großer Baubetrieb
20+ Mitarbeiter, Großprojekte und öffentliche Aufträge
Personenschäden: 10+ Mio. Euro
Sachschäden: 10+ Mio. Euro
Ab ca. 300 Euro/Monat
Wichtig: Nachhaftung im Baugewerbe
Baumängel werden oft erst Monate oder Jahre nach der Fertigstellung sichtbar. Risse im Mauerwerk, undichte Dächer oder fehlerhafte Drainage: Diese Schäden treten erst auf, wenn die Baustelle längst abgeschlossen ist. Achte darauf, dass deine Betriebshaftpflicht eine Nachhaftung von mindestens 5 Jahren bietet. Noch besser sind 10 Jahre, denn die gesetzliche Gewährleistungsfrist im Bau beträgt nach BGB 5 Jahre und nach VOB 4 Jahre.
Beispiel: Dein Team reißt eine tragende Wand in einem Altbau ab. Dabei wird die Decke des Nachbargebäudes beschädigt. Es bilden sich Risse, die Decke muss komplett saniert werden. Der Nachbar fordert 68.000 Euro Schadensersatz. Deine Betriebshaftpflicht prüft den Anspruch, verhandelt mit dem Geschädigten und übernimmt die berechtigten Kosten.
Bauherrenhaftpflicht vs. Betriebshaftpflicht: Was ist der Unterschied?
Im Baugewerbe kursieren zwei Begriffe, die oft verwechselt werden: Bauherrenhaftpflicht und Betriebshaftpflicht. Dabei handelt es sich um grundlegend verschiedene Versicherungen mit unterschiedlichen Zielgruppen.
Betriebshaftpflicht: Für dich als Bauunternehmer
Die Betriebshaftpflicht schützt dich als ausführendes Unternehmen. Wenn deine Arbeiter auf der Baustelle Schäden verursachen, greift diese Versicherung. Sie ist deine wichtigste Police und gilt für alle Baustellen, auf denen du tätig bist.
Bauherrenhaftpflicht: Für den Auftraggeber
Die Bauherrenhaftpflicht ist für den Bauherren gedacht, also für denjenigen, der ein Bauprojekt in Auftrag gibt. Als Bauherr bist du für die Sicherung der Baustelle verantwortlich. Wenn ein Passant in die ungesicherte Baugrube fällt, haftet der Bauherr, nicht der Bauunternehmer.
Wann brauchst du beide?
Wenn du als Bauunternehmer auch selbst als Bauherr auftrittst, etwa bei eigenen Bauträgerprojekten, brauchst du beide Versicherungen. Die Betriebshaftpflicht für die ausführenden Tätigkeiten, die Bauherrenhaftpflicht für deine Verkehrssicherungspflichten als Bauherr.
| Merkmal | Betriebshaftpflicht | Bauherrenhaftpflicht |
|---|---|---|
| Für wen? | Bauunternehmer (ausführend) | Bauherr (Auftraggeber) |
| Was ist versichert? | Schäden durch Bautätigkeit | Schäden durch Verkehrssicherungspflicht |
| Laufzeit | Dauerhaft (Jahresvertrag) | Projektbezogen oder dauerhaft |
| Kosten | Ab ca. 40 Euro/Monat | Ab ca. 80 Euro einmalig (projektbezogen) |
| Pflicht? | Praktisch ja (Auftraggeberforderung) | Keine gesetzliche Pflicht |
Inhaltsversicherung für Baubetriebe
Baubetriebe investieren erhebliche Summen in Werkzeuge, Materialien und Baugeräte. Eine Inhaltsversicherung schützt dieses Betriebsvermögen gegen Feuer, Einbruchdiebstahl, Vandalismus, Leitungswasser und Sturm.
Die Besonderheit im Baugewerbe: Deine Werkzeuge und Materialien befinden sich nicht nur in einer festen Werkstatt, sondern verteilt auf mehreren Baustellen. Deshalb ist eine Außenversicherung besonders wichtig. Sie erstreckt den Schutz auf alle Einsatzorte, nicht nur auf deinen Firmensitz.
Was die Inhaltsversicherung im Bau abdeckt
- Elektrowerkzeuge: Bohrmaschinen, Winkelschleifer, Sägen, Laser-Nivelliergeräte
- Handwerkzeuge: Spezialwerkzeug, Messinstrumente, Schalungsmaterial
- Baumaterialien: Auf der Baustelle gelagerter Beton, Stahl, Holz, Ziegel
- Büroausstattung: Computer, Drucker, Planungs-Software im Baubüro
- Baustellencontainer: Einrichtung und Ausstattung von Baubüros und Lagern
Beispiel: Über Nacht brechen Diebe in deinen Baustellencontainer ein und stehlen Elektrowerkzeuge im Wert von 22.000 Euro. Zusätzlich werden gelagertes Kupferrohr und Kabel im Wert von 8.000 Euro entwendet. Gesamtschaden: 30.000 Euro. Die Inhaltsversicherung mit Außenversicherung ersetzt den Neuwert der gestohlenen Gegenstände.
Tipp: Außenversicherung prüfen
Viele Standard-Inhaltsversicherungen decken nur die feste Betriebsstätte ab. Im Baugewerbe befinden sich aber 80 Prozent deiner Werte auf Baustellen. Achte darauf, dass die Außenversicherung mindestens 50 Prozent der Versicherungssumme beträgt. Idealerweise lässt du die Außenversicherung auf die volle Versicherungssumme erhöhen. Mehr zum Thema erfährst du in unserem Ratgeber zur Versicherungssumme.
Maschinenversicherung für Baumaschinen
Bagger, Radlader, Krane, Verdichtungsgeräte, Betonmischer: Der Maschinenpark eines Baubetrieb ist oft das wertvollste Betriebsvermögen. Ein Minibagger kostet 30.000 bis 80.000 Euro, ein Mobilkran 200.000 bis 500.000 Euro. Eine Maschinenversicherung schützt diese Investition gegen Schäden, die weit über normalen Verschleiß hinausgehen.
Was die Maschinenversicherung abdeckt
- Bedienungsfehler: Ein Mitarbeiter fährt den Bagger gegen eine Betonwand. Die Reparatur des Hydraulikarms kostet 12.000 Euro.
- Materialermüdung: Der Ausleger eines Krans bricht durch inneren Verschleiß. Keine Garantie mehr, aber die Maschinenversicherung greift.
- Kurzschluss und Überspannung: Die Elektronik eines modernen Baggers wird durch einen Blitzeinschlag zerstört.
- Diebstahl: Ein Radlader wird über das Wochenende von der Baustelle gestohlen.
- Vandalismus: Unbekannte beschädigen nachts Baumaschinen auf deiner Baustelle.
Stationäre vs. fahrbare Maschinen
Die Maschinenversicherung unterscheidet zwischen stationären Maschinen (Betonmischer, Bandsägen in der Werkstatt) und fahrbaren Maschinen (Bagger, Radlader, Krane auf Baustellen). Fahrbare Baumaschinen haben ein höheres Schadenpotenzial und sind teurer zu versichern, weil sie ständig im Einsatz und damit stärker gefährdet sind.
Beispiel: Dein Minibagger (Neupreis 65.000 Euro) wird auf einer Baustelle in einer Grube eingesetzt. Durch einen Bedienungsfehler kippt der Bagger seitlich um und der Hydraulikarm bricht. Reparaturkosten: 28.000 Euro. Ohne Maschinenversicherung musst du diesen Betrag aus eigener Tasche zahlen.
Maschinenversicherung: Typische Kosten
- Minibagger (Neuwert 50.000 Euro): ab ca. 50 Euro/Monat
- Radlader (Neuwert 120.000 Euro): ab ca. 100 Euro/Monat
- Mobilkran (Neuwert 300.000 Euro): ab ca. 200 Euro/Monat
- Rüttelplatte (Neuwert 5.000 Euro): ab ca. 15 Euro/Monat
Betriebsunterbrechungsversicherung bei Baustillstand
Im Baugewerbe gibt es wenige Szenarien, die teurer sind als ein Baustillstand. Jeder Tag, an dem nicht gearbeitet wird, kostet dich Geld. Mitarbeitergehälter laufen weiter, Maschinenleasing-Raten werden fällig und Vertragsstrafen für Verzögerungen drohen. Die Betriebsunterbrechungsversicherung fängt diese finanziellen Folgen auf.
Wann greift die Betriebsunterbrechungsversicherung?
Die Versicherung zahlt, wenn dein Betrieb durch einen versicherten Schaden zum Stillstand kommt. Typische Auslöser im Baugewerbe sind:
- Brand auf der Baustelle: Durch Schweiß- oder Schneidearbeiten entsteht ein Feuer, das den Rohbau beschädigt.
- Maschinentotalschaden: Dein einziger Bagger fällt aus und ein Ersatzgerät ist nicht kurzfristig verfügbar.
- Unwetterschäden: Ein Sturm zerstört das Gerüst und die bereits errichtete Dachkonstruktion.
- Wassereinbruch in die Baugrube: Die Drainage versagt und die gesamte Baugrube läuft voll.
Beispiel: Auf deiner Baustelle bricht ein Brand aus, der durch Flexarbeiten im Dachbereich verursacht wird. Der Rohbau wird beschädigt, die Baustelle muss für 6 Wochen stillgelegt werden. Während dieser Zeit laufen die Kosten weiter: Mitarbeitergehälter 36.000 Euro, Maschinenleasing 8.000 Euro, Vertragsstrafe für Bauzeitverzögerung 15.000 Euro. Gesamtkosten des Stillstands: 59.000 Euro. Die Betriebsunterbrechungsversicherung übernimmt diesen Betrag.
Tipp: Vertragsstrafen absichern
Viele Bauverträge enthalten Klauseln über Vertragsstrafen bei Fristüberchreitung. Diese Strafen können 0,1 bis 0,5 Prozent der Auftragssumme pro Tag betragen. Bei einem Auftrag über 500.000 Euro sind das bis zu 2.500 Euro pro Tag. Prüfe, ob deine Betriebsunterbrechungsversicherung auch Vertragsstrafen abdeckt. Mehr zu den Kosten findest du in unserem Kosten-Ratgeber.
Was kostet eine Gewerbeversicherung im Baugewerbe?
Die Kosten einer Gewerbeversicherung für Baubetriebe liegen deutlich über dem Durchschnitt anderer Branchen. Der Grund: Das Schadenpotenzial auf Baustellen ist höher, die erforderlichen Deckungssummen sind größer und die Schadenshäufigkeit ist überdurchschnittlich.
Die wichtigsten Kostenfaktoren sind die Art deiner Bautätigkeit (Hochbau, Tiefbau, Ausbau), die Anzahl deiner Mitarbeiter, dein Jahresumsatz und der Wert deines Maschinenparks.
| Versicherung | Einzelunternehmer | Kleiner Betrieb (5 MA) | Mittlerer Betrieb (15 MA) |
|---|---|---|---|
| Betriebshaftpflicht | ab ca. 40 Euro/Monat | ab ca. 90 Euro/Monat | ab ca. 200 Euro/Monat |
| Inhaltsversicherung | ab ca. 25 Euro/Monat | ab ca. 50 Euro/Monat | ab ca. 100 Euro/Monat |
| Maschinenversicherung | ab ca. 50 Euro/Monat | ab ca. 120 Euro/Monat | ab ca. 300 Euro/Monat |
| Betriebsunterbrechung | ab ca. 20 Euro/Monat | ab ca. 40 Euro/Monat | ab ca. 80 Euro/Monat |
| Komplettpaket | ab ca. 120 Euro/Monat | ab ca. 250 Euro/Monat | ab ca. 600 Euro/Monat |
Die tatsächlichen Kosten können je nach Anbieter, Region und individuellem Risikoprofil erheblich variieren. Ein Tiefbauunternehmen mit Sprengarbeiten zahlt deutlich mehr als ein Trockenbaubetrieb. Deshalb lohnt sich ein individueller Vergleich bei mehreren Anbietern.
So sparst du bei der Gewerbeversicherung
Bündelrabatt: Wenn du mehrere Versicherungen bei einem Anbieter abschließt, sparst du in der Regel 10 bis 20 Prozent. Im Baugewerbe, wo du ohnehin mehrere Policen brauchst, ist das ein erheblicher Betrag.
Höhere Selbstbeteiligung: Eine Selbstbeteiligung von 500 bis 1.000 Euro pro Schadensfall senkt den monatlichen Beitrag spürbar. Wenn du selten Kleinschäden meldest, rechnet sich das über die Jahre.
Jährliche Zahlweise: Die meisten Versicherer gewähren bei jährlicher statt monatlicher Zahlung einen Rabatt von 3 bis 5 Prozent.
Vergleichen: Die Beitragsunterschiede zwischen verschiedenen Anbietern liegen im Baugewerbe bei bis zu 40 Prozent für vergleichbare Leistungen. Ein Tarifvergleich über unseren Vergleichsrechner lohnt sich also immer.
Checkliste: Die richtige Versicherung für deinen Baubetrieb
Bevor du Tarife vergleichst, geh diese Checkliste durch. Sie hilft dir, den tatsächlichen Versicherungsbedarf deines Baubetrieb zu ermitteln:
1. Betriebsanalyse: Was machst du genau?
Hochbau, Tiefbau, Ausbau, Sanierung? Jede Tätigkeit hat ein anderes Risikoprofil. Ein Tiefbauunternehmen braucht andere Deckungen als ein Trockenbaubetrieb. Liste alle Tätigkeiten auf, die du und deine Mitarbeiter regelmäßig ausüben.
2. Maschinenpark bewerten
Erstelle eine Liste aller Baumaschinen mit aktuellem Zeitwert und Neupreis. Kläre, welche Maschinen im Eigentum sind und welche geleast. Geleaste Maschinen müssen in der Regel vom Leasingnehmer versichert werden.
3. Deckungssummen festlegen
Orientiere dich an deinem größten Einzelauftrag. Die Deckungssumme der Betriebshaftpflicht sollte mindestens dem Wert deines größten Projekts entsprechen. Mehr zur Berechnung findest du im Ratgeber Versicherungssumme.
4. Subunternehmer prüfen
Wenn du mit Subunternehmern arbeitest, fordere immer deren Versicherungsnachweise ein. Subunternehmer sind nicht über deine Police mitversichert. Wenn ein unversicherter Subunternehmer einen Schaden verursacht, kann die Haftung auf dich als Generalunternehmer zurückfallen.
5. Vertragsstrafen beachten
Prüfe deine Bauverträge auf Klauseln zu Vertragsstrafen bei Verzögerungen. Diese Strafen sollten in deiner Betriebsunterbrechungsversicherung mitabgedeckt sein.
6. Tarife vergleichen
Vergleiche mindestens drei Angebote von namhaften Versicherern. Achte nicht nur auf den Preis, sondern auch auf Deckungsumfang, Nachhaftung, Außenversicherung und Selbstbeteiligung. Unser Vergleichsrechner zeigt dir die besten Tarife für dein Profil.
Die wichtigsten Fakten zur Gewerbeversicherung im Baugewerbe
- Pflichtversicherung: Keine gesetzliche Pflicht, aber de facto unverzichtbar für Auftragserteilung
- Mindest-Deckungssumme Betriebshaftpflicht: 5 Mio. Euro Personenschäden, 3 Mio. Euro Sachschäden
- Wichtigste Zusatzdeckung: Tätigkeitsschäden und Allmählichkeitsschäden
- Nachhaftung: Mindestens 5 Jahre, idealerweise 10 Jahre
- Maschinenversicherung: Sinnvoll ab einem Maschinenpark-Wert von 20.000 Euro
- Einsparpotenzial durch Vergleich: Bis zu 40 Prozent bei gleicher Leistung
Schadensbeispiele aus dem Baugewerbe-Alltag
Theorie hilft wenig, wenn du die konkreten Risiken nicht vor Augen hast. Hier sind typische Schadensfälle aus dem Baugewerbe, die zeigen, warum eine Gewerbeversicherung unverzichtbar ist:
Fall 1: Gasleitung bei Erdarbeiten beschädigt
Ein Baggerführer beschädigt bei Aushubarbeiten eine Gasleitung. Die gesamte Straße muss evakuiert werden, die Feuerwehr rückt mit Großaufgebot an. Die Reparatur der Leitung kostet 35.000 Euro, die Evakuierungskosten und der Verdienstausfall der betroffenen Geschäfte belaufen sich auf weitere 45.000 Euro. Gesamtschaden: 80.000 Euro. Die Betriebshaftpflicht übernimmt den kompletten Betrag.
Fall 2: Gerüsteinsturz mit Personenschaden
Ein fehlerhaft aufgebautes Gerüst stürzt teilweise ein. Ein Arbeiter stürzt aus 4 Metern Höhe und bricht sich das Becken. Behandlungskosten, Rehabilitation und Verdienstausfall über 8 Monate: 120.000 Euro. Zusätzlich fordert der Verletzte 25.000 Euro Schmerzensgeld. Die Betriebshaftpflicht reguliert den Gesamtschaden von 145.000 Euro.
Fall 3: Baggerdiebstahl über das Wochenende
Am Montag fehlt der Minibagger (Zeitwert 45.000 Euro) von der Baustelle. Zusätzlich wurden Diesel im Wert von 800 Euro aus den Tanks der verbliebenen Maschinen abgezapft. Der Bauzaun wurde beim Einbruch beschädigt (Reparatur: 2.200 Euro). Die Maschinenversicherung ersetzt den Bagger, die Inhaltsversicherung übernimmt die restlichen Schäden.
Fall 4: Feuchtigkeitsschäden durch mangelhafte Abdichtung
Eineinhalb Jahre nach Fertigstellung eines Kellers zeigen sich massive Feuchtigkeitsschäden. Die Abdichtungsarbeiten deines Betriebs waren fehlerhaft. Der Bauherr fordert die komplette Sanierung: Freilegen des Fundaments, neue Abdichtung, Trocknung und Innenrenovierung. Kosten: 95.000 Euro. Dank der 5-jährigen Nachhaftung in deiner Betriebshaftpflicht ist der Schaden gedeckt.
Mehr zum richtigen Verhalten im Schadensfall erfährst du in unserem Schadensfall-Ratgeber.
Häufig gestellte Fragen
Ein Baubetrieb braucht mindestens eine Betriebshaftpflichtversicherung mit erhöhter Deckungssumme. Dazu kommen je nach Betriebsgröße eine Bauherrenhaftpflicht, eine Maschinenversicherung für Bagger und Krane, eine Inhaltsversicherung für Werkzeuge und Materialien sowie eine Betriebsunterbrechungsversicherung für den Fall eines Baustillstands.
Eine Betriebshaftpflicht für einen kleinen Baubetrieb kostet ab ca. 40 bis 90 Euro pro Monat. Eine Maschinenversicherung liegt bei ca. 50 bis 200 Euro monatlich, je nach Maschinenpark. Ein Komplettpaket für einen Baubetrieb mit 5 bis 10 Mitarbeitern liegt typischerweise bei 250 bis 600 Euro pro Monat.
Die Betriebshaftpflicht schützt dich als ausführendes Bauunternehmen vor Schadensersatzansprüchen Dritter. Die Bauherrenhaftpflicht ist dagegen für den Auftraggeber eines Bauprojekts gedacht, also für denjenigen, der ein Gebäude errichten oder umbauen lässt. Wenn du selbst als Bauherr auftrittst, brauchst du beide Policen.
Eine gesetzliche Pflicht besteht nicht für alle Bauberufe. Allerdings verlangen fast alle öffentlichen Auftraggeber, Generalunternehmer und Projektentwickler den Nachweis einer Betriebshaftpflicht mit Deckungssummen von mindestens 3 bis 5 Millionen Euro. Ohne diesen Nachweis bekommst du in der Praxis kaum noch Aufträge.
Für die Betriebshaftpflicht im Baugewerbe sind mindestens 5 Millionen Euro für Personenschäden und 3 Millionen Euro für Sachschäden empfehlenswert. Bei Großprojekten oder öffentlichen Aufträgen werden häufig 10 Millionen Euro oder mehr gefordert. Die Höhe richtet sich nach deinem Auftragsvolumen und der Art der Bauprojekte.
Nein, Subunternehmer sind in der Regel nicht über deine Betriebshaftpflicht mitversichert. Jeder Subunternehmer braucht eine eigene Betriebshaftpflichtversicherung. Als Generalunternehmer solltest du vor Beauftragung immer den Versicherungsnachweis deiner Subunternehmer einfordern, um im Schadensfall nicht selbst zu haften.