Ertragsausfallversicherung: Wenn Einnahmen wegbrechen

Ein Brand, ein Wasserrohrbruch oder ein Einbruch zwingt deinen Betrieb zur Schließung. Aber Miete, Gehälter und Leasingraten laufen weiter. Die Ertragsausfallversicherung sichert dein Einkommen, wenn dein Geschäft stillsteht.

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Was ist versichert?

Entgangener Gewinn + laufende Fixkosten

Haftzeit

Wählbar: 6, 12, 18 oder 24 Monate

Kosten

Ab ca. 15 €/Monat

Was ist eine Ertragsausfallversicherung?

Die Ertragsausfallversicherung springt ein, wenn dein Betrieb nach einem versicherten Sachschaden vorübergehend schließen muss. Sie ersetzt deinen entgangenen Gewinn und übernimmt die fortlaufenden Fixkosten, die du trotz Betriebsstillstand weiter zahlen musst.

Stell dir vor: Ein Kabelbrand zerstört dein Ladengeschäft. Die Inhaltsversicherung zahlt die Reparatur und den Ersatz deiner Einrichtung. Aber die Reparatur dauert drei Monate. In dieser Zeit hast du keinen Umsatz. Trotzdem laufen weiter: Miete, Gehälter deiner Mitarbeiter, Leasingraten, Versicherungsbeiträge und Kreditraten. Ohne Ertragsausfallversicherung zahlst du das alles aus eigener Tasche.

Die Ertragsausfallversicherung schließt genau diese Lücke. Sie ist die finanzielle Brücke zwischen dem Schadenstag und dem Tag, an dem dein Betrieb wieder normal arbeitet.

Wichtig: Die Ertragsausfallversicherung zahlt nur, wenn der Betriebsstillstand durch einen versicherten Sachschaden verursacht wurde. Ein Sachschaden muss also die Ursache sein. Reine Umsatzrückgänge durch Marktveränderungen oder saisonale Schwankungen sind nicht gedeckt.

Unterschied zur Betriebsunterbrechungsversicherung

Die Begriffe Ertragsausfallversicherung und Betriebsunterbrechungsversicherung werden oft synonym verwendet. Es gibt aber feine Unterschiede, die du kennen solltest.

Ertragsausfallversicherung

Die Ertragsausfallversicherung ist die klassische Form der Absicherung gegen Einnahmeausfälle. Sie ist immer an einen vorherigen Sachschaden gekoppelt. Die Deckung setzt voraus, dass ein versichertes Ereignis (Feuer, Leitungswasser, Sturm, Einbruch) einen Sachschaden verursacht hat, der zur Betriebsunterbrechung führt.

Sie wird in der Regel als Zusatzbaustein zur Inhaltsversicherung oder Gebäudeversicherung abgeschlossen. Die versicherten Gefahren sind identisch mit der zugrunde liegenden Sachversicherung.

Betriebsunterbrechungsversicherung (BU)

Die Betriebsunterbrechungsversicherung kann breiter gefasst sein. Manche Tarife decken auch Unterbrechungen ab, die nicht durch klassische Sachschäden entstehen. Dazu zählen zum Beispiel Maschinenschaden, behördliche Anordnungen oder Ausfall wichtiger Zulieferer. Die BU gibt es als eigenständige Police oder als Baustein innerhalb eines Gewerbeversicherungspakets.

Für die meisten kleinen und mittleren Betriebe ist die Ertragsausfallversicherung als Zusatz zur Inhaltsversicherung die passende Lösung. Größere Betriebe mit komplexeren Risiken profitieren eher von einer eigenständigen Betriebsunterbrechungsversicherung mit erweitertem Deckungsumfang.

Wer braucht eine Ertragsausfallversicherung?

Die kurze Antwort: Jeder Betrieb, der bei einem längeren Ausfall seine laufenden Kosten nicht aus Rücklagen decken könnte. Die längere Antwort hängt von deiner individuellen Situation ab.

Besonders wichtig für diese Branchen

  • Gastronomie und Hotellerie: Hohe Fixkosten (Miete, Personal, Pacht), oft geringe Margen. Ein Brand in der Küche kann den gesamten Betrieb für Wochen lahmlegen.
  • Einzelhandel: Große Ladenflächen mit hohen Mieten. Bei Wasserschaden oder Einbruch mit Verwustüng kann die Renovierung Wochen dauern.
  • Produktion und Handwerk: Abhängigkeit von Maschinen und Werkzeugen. Ein Maschinenausfall durch Überschwemmung oder Feuer stoppt die gesamte Produktion.
  • Dienstleister mit Büro: Wasserschaden oder Brand im Büro zerstört IT-Infrastruktur. Bis zum Neuaufbau fallen Aufträge weg.
  • Friseursalons und Beauty-Studios: Kleiner Laden, hohe Fixkosten. Schon wenige Wochen ohne Umsatz können existenzbedrohend sein.

Wann du weniger dringend eine brauchst

Betriebe mit sehr niedrigen Fixkosten, großen finanziellen Rücklagen oder der Möglichkeit, schnell an einem anderen Standort weiterzuarbeiten, können unter Umständen auf die Ertragsausfallversicherung verzichten. Das trifft aber nur auf wenige Unternehmen zu. Selbst ein Home-Office-basierter Freelancer hat laufende Kosten, die bei einem längeren Ausfall zum Problem werden können.

Was ist versichert?

Die Ertragsausfallversicherung ersetzt zwei Hauptkomponenten:

1. Entgangener Gewinn

Der Betriebsgewinn, den du während der Unterbrechung erzielt hättest. Die Berechnung basiert auf deinem bisherigen Umsatz und Gewinn. Saisonale Schwankungen werden dabei berücksichtigt: Wenn dein Betrieb im Sommer mehr verdient als im Winter, zahlt die Versicherung im Sommer auch einen höheren Betrag.

2. Fortlaufende Fixkosten

Alle Kosten, die trotz Betriebsstillstand weiterlaufen. Dazu zählen:

  • Miete und Pacht für Geschäftsräume
  • Gehälter und Sozialabgaben für Mitarbeiter
  • Leasing- und Kreditraten
  • Versicherungsbeiträge
  • Telekommunikation und Internet
  • Buchhaltungs- und Steuerberatungskosten
  • Wartungsverträge

Zusätzlich versicherte Kosten

Die meisten Tarife übernehmen auch sogenannte Schadenminderungskosten. Das sind Kosten, die entstehen, um den Ertragsausfall möglichst gering zu halten. Beispiele:

  • Miete für Ersatzräume
  • Kosten für provisorische Lösungen (mobile Bürocontainer, angemietete Maschinen)
  • Überstundenzulagen, um Rückstände aufzuholen
  • Werbekosten, um Kunden über die Wiedereröffnung zu informieren

Haftzeit: Wie lange zahlt die Versicherung?

Die Haftzeit ist der maximale Zeitraum, für den die Ertragsausfallversicherung nach einem Schaden zahlt. Du wählst die Haftzeit bei Vertragsabschluss. Die gängigen Optionen sind:

  • 6 Monate: Reicht für kleinere Schäden, die schnell behoben werden können. Zum Beispiel Wasserschaden in einem Büro.
  • 12 Monate: Die meistgewählte Option. Ausreichend für die meisten Schadensfälle, einschließlich größerer Renovierungen.
  • 18 Monate: Empfohlen für Betriebe mit aufwendiger Einrichtung oder speziellen Maschinen, deren Beschaffung länger dauern kann.
  • 24 Monate: Für Produktionsbetriebe oder Gebäudeeigentümer, bei denen ein Totalschaden einen kompletten Neubau erfordert.

Tipp: Wähle die Haftzeit lieber etwas länger als zu kurz. Der Preisunterschied zwischen 12 und 18 Monaten ist überschaubar, aber eine zu kurze Haftzeit kann im Schadensfall teuer werden. Bedenke, dass Renovierungen und Maschinenlieferungen oft länger dauern als erwartet.

Ertragsausfall-Szenarien nach Dauer

Die folgende Tabelle zeigt typische Schadensszenarien und die zu erwartende Dauer der Betriebsunterbrechung. So kannst du besser einschätzen, welche Haftzeit für deinen Betrieb sinnvoll ist.

Schadensszenario Typische Ausfallzeit Geschätzter Ertragsausfall* Empfohlene Haftzeit
Kleiner Wasserschaden im Büro 2 – 4 Wochen 5.000 – 15.000 € 6 Monate
Einbruch mit Verwüstung im Laden 3 – 6 Wochen 10.000 – 30.000 € 6 Monate
Leitungswasserschaden in Werkstatt 4 – 8 Wochen 15.000 – 50.000 € 12 Monate
Brand in der Gastro-Küche 2 – 4 Monate 30.000 – 100.000 € 12 Monate
Großbrand mit Teileinsturz 6 – 12 Monate 100.000 – 500.000+ € 18 – 24 Monate
Totalschaden durch Feuer / Hochwasser 12 – 24 Monate 200.000 – 1.000.000+ € 24 Monate

* Geschätzte Werte für einen typischen kleinen bis mittleren Betrieb. Dein tatsächlicher Ertragsausfall hängt von deinem individuellen Umsatz und deinen Fixkosten ab.

Versicherungssumme richtig berechnen

Die Versicherungssumme der Ertragsausfallversicherung muss deinen tatsächlichen Jahresertrag widerspiegeln. Zu niedrig angesetzt führt zur Unterversicherung, zu hoch angesetzt zahlst du unnötig hohe Beiträge.

Berechnung in drei Schritten

Schritt 1: Ermittle deinen Jahresumsatz abzüglich der variablen Kosten (Wareneinkauf, Materialkosten). Das ergibt deinen Rohertrag.

Schritt 2: Addiere alle Fixkosten, die bei einem Betriebsstillstand weiterlaufen: Miete, Gehälter, Leasing, Versicherungen, Abonnements.

Schritt 3: Das Ergebnis ist dein benötigter Versicherungsschutz pro Jahr. Multipliziere diesen Betrag mit der gewählten Haftzeit (in Jahren), um die optimale Versicherungssumme zu erhalten.

Rechenbeispiel

  • Jahresumsatz: 300.000 €
  • Variable Kosten (Wareneinkauf): 120.000 €
  • Rohertrag: 180.000 €
  • Davon: Gewinn 50.000 € + Fixkosten 130.000 €
  • Benötigte Versicherungssumme bei 12 Monaten Haftzeit: 180.000 €

Tipp: Nutze deine Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) oder deinen letzten Jahresabschluss als Grundlage für die Berechnung. Dein Steuerberater kann dir helfen, die richtige Versicherungssumme zu ermitteln.

Selbstbeteiligung und Karenzzeit

Die meisten Ertragsausfallversicherungen haben eine Karenzzeit (auch Zeitfranchise genannt). Das ist eine Art zeitlicher Selbstbehalt: Die Versicherung zahlt erst ab einem bestimmten Tag nach dem Schaden.

Typische Karenzzeiten

  • 0 Tage (sofort): Die Versicherung zahlt ab dem ersten Tag der Unterbrechung. Höchste Prämie, bester Schutz.
  • 2 – 3 Tage: Die gängigste Variante. Kurze Unterbrechungen von ein bis zwei Tagen trägst du selbst. Dafür ist die Prämie deutlich günstiger.
  • 7 Tage: Sinnvoll für Betriebe mit ausreichender Liquidität für die erste Woche. Niedrigere Prämie.
  • 14+ Tage: Nur für Betriebe mit großen Rücklagen. Niedrigste Prämie, aber hohes Eigenrisiko bei längeren Ausfällen.

Neben der zeitlichen Karenz kann auch eine monetäre Selbstbeteiligung vereinbart werden (zum Beispiel 1.000 Euro pro Schadensfall). Beides senkt die Prämie, erhöht aber dein Eigenrisiko.

Was kostet die Ertragsausfallversicherung?

Die Beiträge für eine Ertragsausfallversicherung starten ab ca. 15 Euro pro Monat für kleine Betriebe. Die tatsächlichen Kosten hängen von mehreren Faktoren ab.

Preisbestimmende Faktoren

  • Versicherungssumme: Je höher die abgesicherte Ertragssumme, desto höher die Prämie.
  • Haftzeit: Längere Haftzeiten kosten mehr. 24 Monate kosten etwa das Doppelte von 12 Monaten.
  • Branche: Branchen mit höherem Schadensrisiko (Gastronomie, Produktion) zahlen mehr als risikoarme Bürobetriebe.
  • Karenzzeit: Eine längere Karenzzeit senkt die Prämie um 10 bis 25 Prozent.
  • Gekoppelte Sachversicherung: Als Baustein zur Inhaltsversicherung ist die Ertragsausfallversicherung oft günstiger als eine eigenständige Police.
Betriebsgröße Versicherungssumme (ca.) Monatliche Kosten (ca.) Jährliche Kosten (ca.)
Freelancer / Einzelunternehmer 50.000 € 15 – 25 € 180 – 300 €
Kleiner Laden / Handwerksbetrieb 100.000 € 25 – 50 € 300 – 600 €
Restaurant / Gastro-Betrieb 200.000 € 40 – 80 € 480 – 960 €
Mittlerer Produktionsbetrieb 500.000 € 80 – 150 € 960 – 1.800 €

Tipps für den optimalen Schutz

1. Ertragsausfallversicherung mit Sachversicherung kombinieren

Schließe die Ertragsausfallversicherung als Baustein zu deiner Inhaltsversicherung oder Gebäudeversicherung ab. Das ist in der Regel günstiger und die versicherten Gefahren sind automatisch aufeinander abgestimmt.

2. Haftzeit realistisch wählen

Schätze ab, wie lange die Wiederherstellung deines Betriebs im schlimmsten Fall dauern würde. Berücksichtige dabei nicht nur die Reparatur, sondern auch Lieferzeiten für neue Maschinen oder Einrichtung und die Anlaufzeit bis zum normalen Geschäftsbetrieb.

3. Versicherungssumme jährlich prüfen

Dein Umsatz und deine Fixkosten ändern sich. Prüfe die Versicherungssumme mindestens einmal im Jahr und passe sie an. Wachsende Betriebe brauchen höhere Versicherungssummen.

4. Karenzzeit bewusst wählen

Eine Karenzzeit von zwei bis drei Tagen ist für die meisten Betriebe ein guter Kompromiss. Du sparst Prämie und bist trotzdem bei längeren Ausfällen geschützt.

5. Mehrere Angebote vergleichen

Die Prämien und Leistungen unterscheiden sich zwischen den Anbietern erheblich. Vergleiche nicht nur den Preis, sondern achte auch auf Haftzeit-Optionen, Karenzzeit und enthaltene Schadenminderungskosten.

Häufige Fragen zur Ertragsausfallversicherung

Die Ertragsausfallversicherung ersetzt deinen entgangenen Gewinn und übernimmt fortlaufende Fixkosten (Miete, Gehälter, Leasing), wenn dein Betrieb nach einem versicherten Sachschaden vorübergehend schließen muss. Sie ist die finanzielle Brücke bis zur Wiedereröffnung.

Beide Begriffe werden oft synonym verwendet. Die Ertragsausfallversicherung ist an einen Sachschaden gekoppelt (Feuer, Wasser, Einbruch). Die Betriebsunterbrechungsversicherung kann breiter gefasst sein und auch Ausfälle durch Maschinenschaden oder behördliche Anordnung abdecken.

Die Kosten starten ab ca. 15 Euro pro Monat für kleine Betriebe. Die Prämie hängt von deinem Jahresumsatz, der gewählten Haftzeit, der Branche und der Karenzzeit ab. Als Baustein zur Inhaltsversicherung ist sie oft günstiger als eine eigenständige Police.

Die Haftzeit ist der maximale Zeitraum, für den die Versicherung nach einem Schaden zahlt. Übliche Haftzeiten sind 6, 12, 18 oder 24 Monate. Für die meisten Betriebe empfehlen wir mindestens 12 Monate. Der Mehrpreis für längere Haftzeiten ist vergleichsweise gering.

Die Versicherungssumme setzt sich aus deinem erwarteten Jahresgewinn plus den fortlaufenden Fixkosten zusammen. Nutze deine Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) als Grundlage. Dein Steuerberater kann dir bei der Berechnung helfen.

Jeder Betrieb, der bei einem längeren Ausfall seine laufenden Kosten nicht aus Rücklagen decken könnte. Besonders wichtig für Gastronomie, Einzelhandel, Produktion, Handwerk und alle Betriebe mit hohen Fixkosten und geringen Margen.

Ja, die Beiträge sind als Betriebsausgaben steuerlich absetzbar. Sie mindern deinen Gewinn und damit deine Steuerlast. Das gilt für alle Rechtsformen. Mehr Informationen findest du in unserem Steuer-Ratgeber.

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