Allgefahrendeckung (All-Risk): Was steckt hinter dem Begriff – und brauchst du das wirklich?

Du hast den Begriff Allgefahrendeckung (All-Risk) in deinen Versicherungsunterlagen gelesen und fragst dich, was das konkret bedeutet? Hier bekommst du eine klare Definition – plus ehrliche Einschätzung, für welche Gewerbetreibenden sich dieser Schutz wirklich lohnt.

Definition: Was ist eine Allgefahrendeckung (All-Risk)?

Die Allgefahrendeckung – im Englischen als All-Risk-Deckung bezeichnet – ist ein Versicherungskonzept, bei dem grundsätzlich alle Gefahren und Schäden versichert sind, die nicht ausdrücklich im Vertrag ausgeschlossen werden. Das klingt zunächst simpel, ist aber ein fundamentaler Unterschied zu dem, was die meisten Versicherungsverträge bieten.

Im Alltag wirst du nämlich häufiger auf das Gegenmodell treffen: die sogenannte benannte-Gefahren-Deckung (Named Perils). Dort ist im Vertrag exakt aufgelistet, gegen welche Ereignisse du versichert bist – zum Beispiel Feuer, Einbruchdiebstahl, Leitungswasser oder Sturm. Passiert etwas, das nicht auf dieser Liste steht, zahlt die Versicherung nicht. Punkt.

Bei der Allgefahrendeckung dreht sich die Logik um: Der Versicherer muss nachweisen, dass ein Schaden unter einen der explizit genannten Ausschlüsse fällt – erst dann entfällt die Leistung. Für dich als Gewerbetreibenden bedeutet das: deutlich mehr Planungssicherheit und weniger böse Überraschungen im Schadensfall.

Ein konkretes Beispiel aus der Praxis

Stell dir vor, du betreibst ein Café und dein hochwertiger Siebträger-Kaffeevollautomat fällt durch eine unglückliche Bewegung eines Mitarbeiters vom Tresen. Das Gerät ist zerstört – Schaden: 3.200 €.

Bei einer benannte-Gefahren-Deckung in der Inhaltsversicherung wäre dieser Schaden häufig nicht gedeckt, weil „Sturz durch eigene Mitarbeiter“ schlicht nicht in der Gefahrenliste auftaucht. Bei einer Allgefahrendeckung hingegen ist der Schaden gedeckt – sofern kein expliziter Ausschluss greift, was bei einem solchen Unfall in der Regel nicht der Fall ist.

Allgefahrendeckung vs. benannte Gefahren: Der direkte Vergleich

Beide Konzepte haben ihre Berechtigung – aber sie unterscheiden sich grundlegend in Schutzumfang, Logik und Preis.

Benannte-Gefahren-Deckung (Named Perils)

Nur explizit genannte Ereignisse sind versichert. Typisch: Feuer, Blitzschlag, Explosion, Einbruchdiebstahl, Leitungswasser, Sturm/Hagel. Alles, was nicht auf der Liste steht, ist nicht gedeckt. Günstiger in der Prämie, aber enge Deckungslücken möglich. Geeignet für überschaubare Risikoprofile mit wenig sensiblem Equipment.

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Allgefahrendeckung (All-Risk)

Alle Gefahren sind versichert, außer den ausdrücklich ausgeschlossenen. Die Beweislast liegt beim Versicherer. Umfassenderer Schutz, weniger Interpretationsspielraum im Schadensfall. Typischerweise 20–40 % teurer als die benannte-Gefahren-Variante. Ideal bei hochwertiger Ausstattung oder komplexen Betriebsrisiken.

Ein praktischer Merksatz: Bei der benannten Deckung fragst du dich im Schadensfall „Steht das in meiner Police?“ – bei der All-Risk-Deckung fragt der Versicherer „Steht das in unseren Ausschlüssen?“. Dieser Perspektivwechsel macht im Ernstfall einen enormen Unterschied.

Wo begegnet dir die Allgefahrendeckung in der Gewerbeversicherung?

In der Gewerbeversicherung taucht das All-Risk-Prinzip vor allem in zwei Bereichen auf, die für Kleingewerbetreibende besonders relevant sind:

💼

Elektronikversicherung

Hier ist All-Risk Standard. Dein Laptop, deine Kasse, dein Kassensystem – all das ist gegen nahezu alle plötzlichen und unvorhergesehenen Schäden geschützt: Bedienungsfehler, Kurzschluss, Sturz, Vandalismus. Gerade für Kosmetikstudios oder Massage-Praxen mit teuren Behandlungsgeräten ein wichtiges Argument.

🛠

Inhaltsversicherung (Upgrade)

Viele Versicherer bieten die Inhaltsversicherung in zwei Varianten an: einmal mit benannten Gefahren (Günstiger-Tarif) und einmal mit Allgefahrendeckung (Premium-Tarif). Das Upgrade lohnt sich besonders, wenn dein Inventar teuer und anfällig für Missgeschicke ist – z. B. optische Geräte beim Optiker oder Audiometrie-Equipment beim Akustiker.

🔍

Transportversicherung / Warenversicherung

Im Catering oder bei Lieferbetrieben ist All-Risk beim Transport von Waren oder Equipment ebenfalls verbreitet. Hier sind Schäden durch unsachgemäße Handhabung, Unfälle oder unvorhergesehene Ereignisse auf dem Weg zum Kunden abgedeckt – ohne langes Kleingedrucktes.

Typische Ausschlüsse bei der Allgefahrendeckung

Auch wenn die Allgefahrendeckung (All-Risk) sehr umfassend ist, gibt es immer Ausschlüsse. Diese sind im Vertrag ausdrücklich aufgeführt – und du solltest sie kennen, bevor du unterschreibst. Typische Ausschlüsse in der Gewerbeversicherung sind:

Häufige Standardausschlüsse

Vorsätzliche Schäden: Wer absichtlich schädigt, bekommt nichts ersetzt – logisch.
Normale Abnutzung: Verschleiß durch den täglichen Betrieb ist kein versichertes Ereignis.
Kriegs- und Katastrophenereignisse: Krieg, Kernenergie, Erdbeben sind üblicherweise ausgeschlossen.
Betriebsunterbrechung durch Marktveränderungen: Wirtschaftliche Verluste ohne physischen Schaden.

📝

Wichtige Hinweise zur Prüfung

Lies die Ausschlussliste genau. Die Qualität einer All-Risk-Police bemisst sich nicht nur daran, dass sie „alle Gefahren“ nennt – sondern daran, wie eng oder weit die Ausschlüsse formuliert sind. Ein Tarif mit All-Risk-Label und 30 Ausschlüssen kann schlechter sein als ein guter Named-Perils-Tarif mit breiter Gefahrenliste. Lass dich hier nicht vom Marketing blenden.

Besonders wichtig: Manche Versicherer schließen in der Inhaltsversicherung Elektronikschäden oder Bruchschäden an Glas als Standardausschluss aus – auch bei All-Risk-Tarifen. Diese können dann separat über eine Inhaltsversicherung mit Glasbausteinoder Elektronikbaustein ergänzt werden. Frag im Zweifel nach.

Für wen lohnt sich die Allgefahrendeckung in der Gewerbeversicherung?

Die ehrliche Antwort: Nicht für jeden. Die All-Risk-Deckung kostet in der Gewerbeversicherung typischerweise 20 bis 40 Prozent mehr als eine vergleichbare benannte-Gefahren-Police. Dieser Aufpreis ist gut investiert – aber nur, wenn dein Betrieb bestimmte Merkmale hat.

Hier eine realistische Einschätzung für die typischen FixVersichert-Zielgruppen:

👁

Optiker & Akustiker

Hohe Empfehlung für All-Risk. Ihr arbeitet mit empfindlichen, teuren Messgeräten (Refraktometer, Audiometer, Phoropter), die bei Sturz oder Bedienungsfehler schnell fünfstellige Schäden verursachen. Die Mehrprämie von z. B. 180 €/Jahr ist bei einem Gerätewert von 15.000 € gut angelegt.

💆

Kosmetik & Massage

Bedingte Empfehlung. Bei einfachen Studios mit wenig Technik reicht oft die benannte Deckung. Wer aber in Hochfrequenzgeräte, Ultraschall oder Laser investiert hat, sollte All-Risk ernsthaft prüfen. Schäden durch Kundenkontakt oder Bedienungsfehler sind bei benannten Gefahren oft nicht gedeckt.

Gastro, Café & Imbiss

Situationsabhängig. Für ein kleines Imbisslokal mit überschaubarer Ausstattung ist der Aufpreis oft nicht nötig. Für ein Restaurant mit hochwertiger Küchentechnik, teuren Kaffeemaschinen und sensiblem Mobiliar hingegen kann All-Risk die Deckungslücken schließen, die bei Betriebsunfällen entstehen.

Grundsätzlich gilt: Je höher der Wert deiner Betriebsausstattung, je komplexer dein Betriebsalltag und je häufiger Dritte (Kunden, Mitarbeiter) mit deinen Geräten in Berührung kommen, desto eher zahlt sich die Allgefahrendeckung aus. Denk auch daran, dass die Betriebshaftpflichtversicherung Schäden an fremdem Eigentum abdeckt – die Allgefahrendeckung in der Inhaltsversicherung hingegen dein eigenes Inventar.

Kosten: Was kostet die Allgefahrendeckung mehr?

Konkrete Zahlen helfen mehr als abstrakte Prozentsätze. Hier ein realistisches Rechenbeispiel auf Basis typischer Gewerbetarife:

💰

Beispiel: Kosmetikstudio, Versicherungssumme 25.000 €

Benannte Gefahren (Basisschutz): ca. 220 €/Jahr
Allgefahrendeckung (All-Risk): ca. 290–310 €/Jahr
Mehrkosten: ca. 70–90 €/Jahr (≈ 32 %)

Für rund 7 € im Monat mehr bekommst du einen Schutz, der auch Missgeschicke, Bedienungsfehler und unübliche Schäden einschließt. Bei einem einzigen vermiedenen Schadensfall amortisiert sich das schnell.

📈

Beispiel: Akustiker, Versicherungssumme 60.000 €

Benannte Gefahren (Basisschutz): ca. 480 €/Jahr
Allgefahrendeckung (All-Risk): ca. 630–680 €/Jahr
Mehrkosten: ca. 150–200 €/Jahr (≈ 35 %)

Bei Audiometrie-Equipment im Wert von mehreren Tausend Euro pro Gerät ist dieser Aufpreis gut vertretbar – besonders wenn Kunden regelmäßig in Berührung mit den Geräten kommen.

Hinweis: Die genannten Beträge sind Richtwerte auf Basis marktüblicher Tarife. Die tatsächliche Prämie hängt von Branche, Standort, Versicherungssumme und gewähltem Anbieter ab. Nutze den Vergleichsrechner, um dein individuelles Angebot zu erhalten.

Häufige Fragen zur Allgefahrendeckung (All-Risk)

Was bedeutet Allgefahrendeckung (All-Risk) genau – einfach erklärt?
Bei der Allgefahrendeckung (All-Risk) sind grundsätzlich alle Schäden und Gefahren versichert – außer denen, die im Vertrag ausdrücklich ausgeschlossen sind. Das ist das genaue Gegenteil der benannten Gefahren, wo nur bestimmte, aufgelistete Ereignisse gedeckt sind. Im Schadensfall muss der Versicherer nachweisen, dass ein Ausschluss greift, nicht du.
Ist die Allgefahrendeckung in jeder Gewerbeversicherung verfügbar?
Nein, nicht automatisch. Viele Versicherer bieten All-Risk als optionales Upgrade oder Premium-Tarif an, während der Standardtarif mit benannten Gefahren arbeitet. Vor allem in der Inhaltsversicherung und Elektronikversicherung ist All-Risk verbreitet. In der Betriebshaftpflicht hingegen gilt ein anderes Deckungskonzept. Beim Vergleich immer explizit auf das Deckungsprinzip achten.
Welche Schäden sind bei All-Risk typischerweise ausgeschlossen?
Trotz des umfassenden Namens gibt es immer Ausschlüsse. Typisch sind: vorsätzlich herbei geführte Schäden, normale Abnutzung und Verschleiß, Kriegs- und Terrorereignisse, Kernenergie-Schäden sowie in manchen Tarifen auch Elektronikschäden oder Glasbruch (die dann als separate Bausteine hinzugebucht werden müssen). Die genaue Ausschlussliste variiert je nach Anbieter und Tarif.
Lohnt sich All-Risk für ein kleines Café oder einen Imbiss?
Das kommt auf den Wert der Ausstattung an. Ein kleiner Imbiss mit einfacher Einrichtung kommt oft gut mit einer benannten Deckung aus. Ein Café mit hochwertigen Espressomaschinen (Wert 5.000–15.000 €), teurer Einrichtung und regelmäßigem Kundenbetrieb hingegen profitiert von All-Risk – weil Betriebsunfälle, Bedienungsfehler und unvorhergesehene Missgeschicke in der Gastro häufig vorkommen und bei benannten Gefahren oft nicht gedeckt sind.
Was ist der Unterschied zwischen All-Risk in der Inhaltsversicherung und der Betriebshaftpflicht?
Das sind zwei völlig verschiedene Versicherungszweige. Die Inhaltsversicherung mit All-Risk-Deckung schützt dein eigenes Betriebsinventar (Geräte, Möbel, Waren) gegen Schäden. Die Betriebshaftpflichtversicherung hingegen schützt dich, wenn du Dritten – also Kunden oder fremden Personen – einen Schaden zufügst. Beide Versicherungen ergänzen sich und sollten zusammen betrachtet werden.
Kann ich von benannten Gefahren auf All-Risk wechseln?
Ja, das ist möglich – entweder durch eine Tarifumstellung beim bestehenden Versicherer oder beim nächsten Vertragsjahr durch einen Anbieterwechsel. Oft ist ein Wechsel auch eine gute Gelegenheit, den Gesamtschutz zu überprüfen und Deckungslücken zu schließen. Nutze dafür den Vergleichsrechner, um aktuelle Marktangebote zu sehen.
Wie erkenne ich, ob mein Vertrag All-Risk oder benannte Gefahren verwendet?
Schau in deine Police oder die allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB). Wenn dort eine Liste mit versicherten Gefahren steht (z. B. „Versichert sind: Feuer, Einbruchdiebstahl, Leitungswasser ...“), hast du eine benannte Deckung. Wenn es heißt „Versichert sind alle Gefahren, ausgenommen ...“ oder „All-Risk“ explizit genannt wird, hast du eine Allgefahrendeckung. Im Zweifel ruf bei deinem Versicherer an oder nutze unseren Vergleich.

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